Das finde ich übrigens auch. Besonders das mit dem Unklaren.
In China gibt es vieles, was man als kleiner doofer Europäer nicht versteht. Warum gehen die Chinesen so oft rückwärts, ob auf der Straße oder im Park oder sonstwo? Wieso ist in 5000 Jahren Kulturgeschichte niemand in diesem Land jemals darauf gekommen, das Rotzen, Rülpsen, Schmatzen und Furzen (oder wenigstens eines der vier) mal kniggemäßig zu ächten? Weshalb ist in einer Küche, die sicher eine der besten der Welt ist (für die Chinesen natürlich die beste der Welt), ausgerechnet Maggi ein überall vollkommen akzeptiertes und auch in feinsten Edel-Restaurants wie selbstverständlich auf dem Tisch stehendes Gewürz? Wie kommt es, dass sämtliche chinesischen Autofahrer der Meinung sind, der weiße Mittelstreifen, der die Fahrbahnen unterteilt, müsse sich beim Fahren stets exakt in der Fahrzeugmitte befinden?
Der Fragen sind viele, zu viele. Die eigentliche Frage ist ja aber doch: Was mache ich mit den ganzen Fragen und vor allem mit den ganzen unzureichenden, unverständlichen oder ja meist gleich komplett ausbleibenden Antworten? Weiterfragen? Nachbohren? Die Frage noch mal anders formulieren? Ich bin doch schließlich hierher gekommen, um eine fremde Kultur zu verstehen, oder nicht? Ich will das doch wissen, warum China so funktioniert und nicht anders! Ich möchte das bitteschön erklärt bekommen, sonst kann ich doch nichts lernen!
Nur manchmal, in lichten Momenten (die im aufgeklärten Europa vermutlich eher dunkle Momente genannt würden), dämmert es mir, dass vielleicht die Fragen nicht falsch gestellt sind - sondern dass es falsch ist, die Fragen überhaupt zu stellen.
Derjenige, der es tatsächlich schaffen würde, an einem kalten, regnerischen, windigen Tag am Strand entlang zu gehen, dort einen weißen Flügel stehen zu sehen – und sich nicht zu fragen: „Warum steht an einem solchen Tag ein weißer Flügel am Strand?“, sondern ihn lediglich eine Weile zu betrachten und dann weiterzugehen – nur der hätte vielleicht wirklich im fernöstlichen Sinne etwas verstanden.

PS: Warum an besagtem kalten, regnerischen, windigen Tag ein weißer Flügel am Strand von Qingdao stand, hat Herr O. übrigens sehr wohl verstanden. Die Erklärung ist im Grunde völlig logisch und einsichtig und banal. Ich verrate sie euch aber nicht. Da seht ihr mal, wie das ist.