Samstag, 30. August 2008

Nummer Sieben

Ich möchte nicht reden darüber, dass meine Wohnung, bei deren erstem Erblicken ich nichts Anderes als immer wieder nur das Wort "Kommunismus" denken konnte, anscheinend in den letzten Wochen (Monaten? Jahren?) als eine Art Möbellager missbraucht worden war. Und dass auf den geschätzten 30 Quadratmetern neben den "normalen" Möbeln sage und schreibe zwölf (!) Stühle, drei Tische und ein Kinderbett standen. Oder dass die Dusche eine jener bekannten nicht nur Ganzkörper-, sondern nauch Ganzraumduschen ist. Oder dass die Wohnung zwar zwölf Stühle, aber kein Bücherregal hat. Ich möchte auch nicht reden über die Tatsache, dass übermorgen mein Semester anfängt und ich aber immer noch nicht meinen Stundenplan kenne, immer noch nicht das Germanistische Institut oder die Bibliothek von innen gesehen habe, und also immer noch nicht im mindesten weiß, was, wo, wann, wen und wie ich ab kommender Woche hier unterrichten soll.

Stattdessen sage ich euch, dass die DAAD-Kollegin, die an einer anderen Uni in Qingdao arbeitet, nach dem gemeinsamen Abendessen im Restaurant (man aß Dinge, deren Namen ich nicht kenne und die ich deshalb der Einfachheit halber mal als "sehr lecker" umschreibe) die grandiose Idee hatte, den Abend, bevor ich zur Schließungszeit (siehe Jugendherberge) wieder am Campustor sein musste, mit einer Fußmassage ausklingen zu lassen. Nun haben wir ja alle den Film "Pulp Fiction" rauf und runter und rüber gesehen und wissen, welche verfänglichen Konsequenzen eine Fußmassage haben kann. Ich muss aber gleich Entwarnung geben, denn es war nicht die Kollegin selbst, die mir besagte Massage zukommen ließ, sondern Nummer Sieben. Zumindest glaube ich das, denn ich hatte letztlich fast die komplette Zeit die Augen geschlossen, und zwar so voll genießerisch jetzt. Nummer Sieben war eine schlitzbeäugte Dame mit der entsprechenden Nummer am T-Shirt (die ich mir aber, wie gesagt, leider nicht gemerkt habe). Und während ich mich also mit der neben mir sitzenden und sich der gleichen, nur in ihrem Fall von einem schlitzbeäugten Herrn getätigten Behandlung unterziehenden Kollegin darüber austauschte, wie China denn so ist, wie China vielleicht mal sein könnte und wie China bestimmt nie werden wird, stellte Nummer Sieben erst mal meine Füße in einen Bottich, gefüllt mit warmem Wasser, welches wiederum gefüllt war mit Kräutern, und unten waren so Steine, an denen man sich wohlig die Fußsohlen reiben konnte. Toll, so eine Fußmassage, dachte ich, doch dann wurden die Füßchen fein abgetrocknet und der (un)angenehme Teil des Abends konnte beginnen. Herr O. steht aber ja bekanntlich darauf, wenn es ein bisschen wehtut (sonst wäre er ja wohl auch nicht nach China gegangen), und so war auch die anschließende halbe Stunde reichhaltigst mit Genuss behaftet. Im Übrigen hätte ich mich ohnehin nicht getraut, Schmerzen zu zeigen oder gar eine sanftere Gangart einzufordern, denn die Muckis, die Nummer Sieben an ihren Armen mit sich rumträgt, eignen sich sicher auch vorzüglich dazu, lange Nasen kurz zu hauen. Als aber nun die Füßchen wirklich und wahrhaftig ihr Tages-, wenn nicht Wochenpensum an Beknetung bekommen hatten, ging es doch tatsächlich auch noch an die Beinchen, an die Händchen, an die Ärmchen und an die Schülterchen, mit dem Höhepunkt, dass Nummer Sieben die Ellenbogen von Herrn O. von hinten fasste und ihm mit dem in den Rücken gestemmten Knie das Wirbelsäulchen rauf und runter und rüber fuhr. Und dabei hatte ich doch nur eine Fußmassage gebucht. Für 5 Euro die Stunde.
Das war das Schönste bisher.
China kann eben auch gut sein.
Danke, Nummer Sieben.

Freitag, 29. August 2008

Statt Karten

...bzw. statt Worten:
Auf vielfachen Wunsch eines einzelnen Lesers hier meine ersten wirren, willkürlichen und weißgottnichtguten Fotos - keine Sorge, das wird in Zukunft hoffentlich besser.
Der aufmerksame Betrachter kann jedoch schon erkennen, was den Tsingtauer momentan so umtreibt. Ich würde es mal mit den Begriffen "Olympia", "Uniformen", "Erste Internationalisierungsversuche" und "Am liebsten aber doch Qingdao" umschreiben.
In diesem Sinne,
beste Grüße vom Herrn O., der heute Vormittag die gesamte medizinische Untersuchung, welcher er sich bereits vor drei Wochen am Berliner Tropeninstitut unterzog, damit die dortige chinesische Botschaft ihm ein Visum ausstellte, noch einmal in identischer Form inklusive Röntgenaufnahme, Bluttests etc. absolvieren durfte, denn er hatte ja bloß das von besagter Botschaft bis aufs kleinste I-Tüpfelchen anerkannte Original des sogenannten Tropentauglichkeitszeugnisses dabei, und da ist es natürlich mehr als verständlich, wenn die örtlichen Behörden das wie gesagt von der chinesischen Botschaft bereits abgesegnete Gesundheitszeugnis schlicht nicht akzeptieren. Und stattdessen Herrn O. nicht nur Blut, sondern auch 35 Euro abnehmen.

Tschühüss!

Mittwoch, 27. August 2008

Angekommen

Tja.
Da hatte mein Freund G. also Recht. Das Blog, das ich in Deutschland schon so schön mit allem Pi und Pa und Po eingerichtet hatte, lässt sich da, wo ich jetzt tatsächlich angekommen bin, nämlich bei den Chinösen, nicht öffnen. Aber mir ist natürlich klar, dass das ausschließlich zu meinem eigenen Schutz geschieht. Der Zweck heiligt die Mitte, sozusagen.
Doch sei's drum! Hell, wie Herr O. nun mal in seiner Birne ist, kreiert er flugs eine Updated Version, ein Second Life, ein Web 2.0.
Seit heute Nachmittag habe ich nämlich Internetz, obwohl das vom Großen Bruder (der heißt hier Herr Wang) eigentlich erst für kommende Woche vorgesehen war.
Zu viel mehr komme ich heute aber nicht. Schließlich ist es bei mir ja schon morgen, ihr Langschläfer bzw. -nasen!
Demnächst also hoffentlich vielleicht mal sehen mehr, für heute entlasse ich euch mit dem romantischen Blick aus meinem Fenster.
Auf bald,
Ralfo