Mittwoch, 21. Oktober 2009
Montag, 8. Juni 2009
gēge is watching you
Wenn ein chinesischer Literaturübersetzer einen deutschen Text übersetzen soll, dann fürchtet er sich am allermeisten vor Sätzen wie: "Mein Bruder kam herein, begrüßte meine Schwester und teilte uns mit, dass unser Großvater im Beisein seiner Enkelin an einem Klebereisklops erstickt sei."
Denn mit den Verwandtschaftsverhältnissen ist das so eine Sache in China. Die chinesische Sprache kennt kein Wort für 'Bruder' oder 'Schwester' oder 'Großvater' oder 'Enkelin'. In China muss man immer sagen, ob es sich um den älteren oder jüngeren Bruder, um die ältere oder jüngere Schwester, um den Großvater väterlicher- oder mütterlicherseits und um die Enkelin als Tochter des Sohnes oder als Tochter der Tochter handelt. Und für alles gibt es verschiedene Wörter. Das bedeutet also, dass vermutlich eine nicht unbeträchtliche Anzahl von chinesischen Literaturübersetzern dem Irrsinn anheimgefallen ist bei dem Versuch herauszufinden, ob an irgendeiner anderen Stelle des jeweiligen 700-Seiten-Romans die genealogischen Verhältnisse der Protagonisten irgendwie geklärt werden und ob er nun also "kleiner Bruder" (dìdi) oder "großer Bruder" (gēge) zu schreiben hat.
Wie auch immer: Der Grund, warum ich mich so lange nicht bei euch gemeldet habe, ist mein hiesiger gēge. Denn mein gēge macht Ärger. Er hat vor etwa drei Wochen beschlossen, mir den Zugang zu meinem eigenen Blog zu verwehren. Eine Begründung dafür nannte er nicht. Kappte einfach von heute auf morgen die Verbindung. Schluss, Aus, Ende, hat sich ausgebloggt. Und das nicht nur bei meinem eigenen Blog-Provider, sondern auch noch bei fast allen anderen. Plus Youtube, plus Twitter, plus Flickr, plus Hotmail, plus... - Alles weg.
Herr O. kann nur vermuten, dass das Ganze mit dem 20. Jahrestag des 4. Juni 1989 zusammenhängt, welcher in China bekanntlich mit zahlreichen Podiumsdiskussionen, Fernseh-Talkshows und einer bunten Studentenparade auf dem Platz des Himmlischen Friedens begangen wurde.
So, und warum kann ich das alles hier trotzdem gerade schreiben? Weil ich über den Freund einer Freundin hinter vorgehaltener Hand im schalldichten Kellerraum eines verlassenen und leerstehenden Industriegebäudes die Webadresse einer, sagen wir mal, Umleitungs-Seite zugeflüstert bekam, die der gēge anscheinend nicht kennt. Oder besser gesagt: noch nicht kennt.
Deswegen weiß ich auch nicht, ob und wann das nächste Mal was rausgeht.
Rein kommt jedenfalls nicht mehr viel.
Beste Grüße,
Herr O. (= Orwell)
Denn mit den Verwandtschaftsverhältnissen ist das so eine Sache in China. Die chinesische Sprache kennt kein Wort für 'Bruder' oder 'Schwester' oder 'Großvater' oder 'Enkelin'. In China muss man immer sagen, ob es sich um den älteren oder jüngeren Bruder, um die ältere oder jüngere Schwester, um den Großvater väterlicher- oder mütterlicherseits und um die Enkelin als Tochter des Sohnes oder als Tochter der Tochter handelt. Und für alles gibt es verschiedene Wörter. Das bedeutet also, dass vermutlich eine nicht unbeträchtliche Anzahl von chinesischen Literaturübersetzern dem Irrsinn anheimgefallen ist bei dem Versuch herauszufinden, ob an irgendeiner anderen Stelle des jeweiligen 700-Seiten-Romans die genealogischen Verhältnisse der Protagonisten irgendwie geklärt werden und ob er nun also "kleiner Bruder" (dìdi) oder "großer Bruder" (gēge) zu schreiben hat.
Wie auch immer: Der Grund, warum ich mich so lange nicht bei euch gemeldet habe, ist mein hiesiger gēge. Denn mein gēge macht Ärger. Er hat vor etwa drei Wochen beschlossen, mir den Zugang zu meinem eigenen Blog zu verwehren. Eine Begründung dafür nannte er nicht. Kappte einfach von heute auf morgen die Verbindung. Schluss, Aus, Ende, hat sich ausgebloggt. Und das nicht nur bei meinem eigenen Blog-Provider, sondern auch noch bei fast allen anderen. Plus Youtube, plus Twitter, plus Flickr, plus Hotmail, plus... - Alles weg.
Herr O. kann nur vermuten, dass das Ganze mit dem 20. Jahrestag des 4. Juni 1989 zusammenhängt, welcher in China bekanntlich mit zahlreichen Podiumsdiskussionen, Fernseh-Talkshows und einer bunten Studentenparade auf dem Platz des Himmlischen Friedens begangen wurde.
So, und warum kann ich das alles hier trotzdem gerade schreiben? Weil ich über den Freund einer Freundin hinter vorgehaltener Hand im schalldichten Kellerraum eines verlassenen und leerstehenden Industriegebäudes die Webadresse einer, sagen wir mal, Umleitungs-Seite zugeflüstert bekam, die der gēge anscheinend nicht kennt. Oder besser gesagt: noch nicht kennt.
Deswegen weiß ich auch nicht, ob und wann das nächste Mal was rausgeht.
Rein kommt jedenfalls nicht mehr viel.
Beste Grüße,
Herr O. (= Orwell)
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Montag, 11. Mai 2009
Schwarz-Weiß
Bekanntlich schaue ich, seit ich in China bin, öfter mal in Lexika nach. Also nicht in Wörterbüchern, wegen der Übersetzung, sondern in Büchern oder auf Webseiten, die einem tatsächlich die Bedeutung von Was-auch-immer erklären. Das habe ich hier nämlich bitter nötig.
Wirklich weiter hilft mir das aber auch nicht immer. Zum Beispiel bei der Definition von Zebrastreifen:
"Der Zebrastreifen taucht in internationalen Vereinbarungen erstmals in dem am 19. September 1949 in Genf unterzeichneten Protokoll über Straßenverkehrszeichen auf. Die Konferenz der Vereinten Nationen über Straßen- und Automobilverkehr fand in der Zeit vom 23. August bis zum 19. September 1949 statt und endete mit der Unterzeichnung eines Abkommens über den Straßenverkehr und eines Protokolls über Straßenverkehrszeichen."
Ja, super. Und nun?
In China ist ein Zebrastreifen aus Sicht des Fußgängers ungefähr so viel wert wie eine Ein-Euro-Münze. Nett anzuschauen zwar, aber ich bekomme nichts dafür, und ich kann auch niemanden dafür belangen, dass ich nichts dafür bekomme, denn wir sind ja hier in China, und da bezahlt man anders. Ein Zebrastreifen hat in China sozusagen keinen Gegenwert, jedenfalls keinen für mich als Ausländer irgendwie messbaren.
Wenn ein chinesischer Mensch in China an einen Zebrastreifen tritt, im Vorhaben, die Straße zu überqueren, dann schaut er nach links (in China herrscht Rechtsverkehr) und dann noch mal nach links, und dann noch mal nach rechts - und das dann immer und immer wieder, so lange, bis einfach kein Auto mehr kommt. Wie gesagt, er steht immer noch an einem Zebrastreifen, aber er denkt dabei mitnichten an den Paragraph 26 der deutschen Straßenverkehrsordnung, der da sagt: "An Fußgängerüberwegen haben Fahrzeuge den Fußgängern, welche den Überweg erkennbar benutzen wollen, das Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen. Dann dürfen sie nur mit mäßiger Geschwindigkeit heranfahren; wenn nötig, müssen sie warten." Nein nein, er denkt vielmehr: "Ich habe Frau und Kind (leider nur eines und dann auch noch ein Mädchen, aber immer noch besser als gar keins), also warte ich, bis die Luft rein ist." Denn der chinesische Fußgänger weiß, dass die Chancen, am Abend mit dem zweitliebsten Kind der Welt gemeinsam am Tisch zu sitzen, ins Unermessliche steigen, wenn er nicht auf sein "Recht" pocht und einfach auf einem Zebrastreifen die Straße überquert, ohne der anderen Verkehrsteilnehmer (Autos) zu gedenken.
Ich hingegen mache das. Ich bin nämlich Deutscher. Vielleicht nicht von, aber zumindest im Herzen. Der Deutsche "weiß", dass er im Recht ist, wenn er seinen Fuß auf den weißen Streifen setzt. Und er weiß, dass der Autofahrer weiß, dass er das weiß. Der Chinese hingegen weiß, dass das Auto einfach stärker ist.
Was genau der chinesische Autofahrer weiß, weiß ich nicht. Vermutlich nicht viel mehr, als genau dieses "das Auto ist stärker". Jedenfalls benimmt er sich so. Der chinesische Autofahrer fährt, als gebe es kein Bremspedal. Der chinesische Autofahrer macht mit seinem Fahrstil deutlich: Ich würde lieber einen Fußgänger mit meinem Kühlergrill flachlegen als meinen Fuß vom Gaspedal (so heißt doch das Pedal, das ich immer und ausschließlich benutze, oder?) zu nehmen.
Das Erstaunliche ist aber zum einen, dass die Zahl der Verkehrstoten hierzulande nicht in die (durchaus vorhandenen) Milliarden geht, und zum andern (was die Begründung dafür sein mag), dass sich die Einstellungen entsprechend komplett ändern, sobald der vormalige chinesische Fußgänger ein Lenkrad in der Hand hat, bzw. sobald der vormalige chinesische Autofahrer seinen Wagen auf der falschen Straßenseite geparkt hat und nun versuchen muss, das rettende jenseitige Ufer (Karaoke-Bar) zu erreichen. Und alle machen mit. Und alle akzeptieren das. Und alle finden das normal und keiner Erwähnung wert.

Es gibt ein paar zentrale Begriffe in der chinesischen Kultur. Und einer davon ist "Harmonie". Herr O. steht machmal kurz davor zu sagen: "Mit eurer Harmonie putze ich mir gerne morgen früh genau das ab, was ihr jetzt denkt." Herr O. hat auch das Bedürfnis, hierüber demnächst mehr zu schreiben, weil er glaubt, dass sich da ein Tor auftut, oder sagen wir eine Tür, oder sagen wir eine Pforte, oder doch wenigstens ein Durchschlupf, jedenfalls irgendetwas, was das Verständnis dieses Landes in irgendeiner Form zu erleichtern verspricht. Aber nicht mehr heute. Weil ich gleich ins Bettchen muss, um morgen westliche Kultur, oder wenigstens Sprache zu vermitteln.
Ich bin aber ganz sicher, dass da etwas lauert, das des Aufschreibens wert ist.
Für heute sei euch also nur der sehr lesenswerte Artikel eines Herrn Sieren, über chinesisches Rücksichts- und Überhaupt-Verhalten, nicht nur im Straßenverkehr, warm anbefohlen, zu lesen hier.
Demnächst also (hoffentlich) etwas über Harmonie.
Für heute nur die Liedzeile der immer noch von mir geschätzten deutschen Band Tocotronic: "Harmonie, -hie, -hie - ist eine Strategie".
Wirklich weiter hilft mir das aber auch nicht immer. Zum Beispiel bei der Definition von Zebrastreifen:
"Der Zebrastreifen taucht in internationalen Vereinbarungen erstmals in dem am 19. September 1949 in Genf unterzeichneten Protokoll über Straßenverkehrszeichen auf. Die Konferenz der Vereinten Nationen über Straßen- und Automobilverkehr fand in der Zeit vom 23. August bis zum 19. September 1949 statt und endete mit der Unterzeichnung eines Abkommens über den Straßenverkehr und eines Protokolls über Straßenverkehrszeichen."
Ja, super. Und nun?
In China ist ein Zebrastreifen aus Sicht des Fußgängers ungefähr so viel wert wie eine Ein-Euro-Münze. Nett anzuschauen zwar, aber ich bekomme nichts dafür, und ich kann auch niemanden dafür belangen, dass ich nichts dafür bekomme, denn wir sind ja hier in China, und da bezahlt man anders. Ein Zebrastreifen hat in China sozusagen keinen Gegenwert, jedenfalls keinen für mich als Ausländer irgendwie messbaren.
Wenn ein chinesischer Mensch in China an einen Zebrastreifen tritt, im Vorhaben, die Straße zu überqueren, dann schaut er nach links (in China herrscht Rechtsverkehr) und dann noch mal nach links, und dann noch mal nach rechts - und das dann immer und immer wieder, so lange, bis einfach kein Auto mehr kommt. Wie gesagt, er steht immer noch an einem Zebrastreifen, aber er denkt dabei mitnichten an den Paragraph 26 der deutschen Straßenverkehrsordnung, der da sagt: "An Fußgängerüberwegen haben Fahrzeuge den Fußgängern, welche den Überweg erkennbar benutzen wollen, das Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen. Dann dürfen sie nur mit mäßiger Geschwindigkeit heranfahren; wenn nötig, müssen sie warten." Nein nein, er denkt vielmehr: "Ich habe Frau und Kind (leider nur eines und dann auch noch ein Mädchen, aber immer noch besser als gar keins), also warte ich, bis die Luft rein ist." Denn der chinesische Fußgänger weiß, dass die Chancen, am Abend mit dem zweitliebsten Kind der Welt gemeinsam am Tisch zu sitzen, ins Unermessliche steigen, wenn er nicht auf sein "Recht" pocht und einfach auf einem Zebrastreifen die Straße überquert, ohne der anderen Verkehrsteilnehmer (Autos) zu gedenken.
Ich hingegen mache das. Ich bin nämlich Deutscher. Vielleicht nicht von, aber zumindest im Herzen. Der Deutsche "weiß", dass er im Recht ist, wenn er seinen Fuß auf den weißen Streifen setzt. Und er weiß, dass der Autofahrer weiß, dass er das weiß. Der Chinese hingegen weiß, dass das Auto einfach stärker ist.
Was genau der chinesische Autofahrer weiß, weiß ich nicht. Vermutlich nicht viel mehr, als genau dieses "das Auto ist stärker". Jedenfalls benimmt er sich so. Der chinesische Autofahrer fährt, als gebe es kein Bremspedal. Der chinesische Autofahrer macht mit seinem Fahrstil deutlich: Ich würde lieber einen Fußgänger mit meinem Kühlergrill flachlegen als meinen Fuß vom Gaspedal (so heißt doch das Pedal, das ich immer und ausschließlich benutze, oder?) zu nehmen.
Das Erstaunliche ist aber zum einen, dass die Zahl der Verkehrstoten hierzulande nicht in die (durchaus vorhandenen) Milliarden geht, und zum andern (was die Begründung dafür sein mag), dass sich die Einstellungen entsprechend komplett ändern, sobald der vormalige chinesische Fußgänger ein Lenkrad in der Hand hat, bzw. sobald der vormalige chinesische Autofahrer seinen Wagen auf der falschen Straßenseite geparkt hat und nun versuchen muss, das rettende jenseitige Ufer (Karaoke-Bar) zu erreichen. Und alle machen mit. Und alle akzeptieren das. Und alle finden das normal und keiner Erwähnung wert.

Es gibt ein paar zentrale Begriffe in der chinesischen Kultur. Und einer davon ist "Harmonie". Herr O. steht machmal kurz davor zu sagen: "Mit eurer Harmonie putze ich mir gerne morgen früh genau das ab, was ihr jetzt denkt." Herr O. hat auch das Bedürfnis, hierüber demnächst mehr zu schreiben, weil er glaubt, dass sich da ein Tor auftut, oder sagen wir eine Tür, oder sagen wir eine Pforte, oder doch wenigstens ein Durchschlupf, jedenfalls irgendetwas, was das Verständnis dieses Landes in irgendeiner Form zu erleichtern verspricht. Aber nicht mehr heute. Weil ich gleich ins Bettchen muss, um morgen westliche Kultur, oder wenigstens Sprache zu vermitteln.
Ich bin aber ganz sicher, dass da etwas lauert, das des Aufschreibens wert ist.
Für heute sei euch also nur der sehr lesenswerte Artikel eines Herrn Sieren, über chinesisches Rücksichts- und Überhaupt-Verhalten, nicht nur im Straßenverkehr, warm anbefohlen, zu lesen hier.
Demnächst also (hoffentlich) etwas über Harmonie.
Für heute nur die Liedzeile der immer noch von mir geschätzten deutschen Band Tocotronic: "Harmonie, -hie, -hie - ist eine Strategie".
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Freitag, 24. April 2009
Hä?
Als der liebe Gott den Menschen im Paradies verbot, Äpfel zu essen, wusste er genau, was er tat. Denn das ewige Erkennenwollen, das Verstehenwollen, das Begreifenwollen, das tut dem Menschen gar nicht gut. Heutzutage heißt der Baum der Erkenntnis Wikipedia, und dort lesen wir: „’Verstehen’ ist das inhaltliche Begreifen eines Sachverhalts, das nicht in der bloßen Kenntnisnahme besteht, sondern in der intellektuellen Erfassung des Zusammenhangs, in dem der Sachverhalt steht. Der Begriff ‚Verstehen’ wird häufig dem Begriff ‚Erklären’ gegenübergestellt, wobei das genaue Verhältnis beider Begriffe (und Prozesse) zueinander unklar bleibt.“
Das finde ich übrigens auch. Besonders das mit dem Unklaren.
In China gibt es vieles, was man als kleiner doofer Europäer nicht versteht. Warum gehen die Chinesen so oft rückwärts, ob auf der Straße oder im Park oder sonstwo? Wieso ist in 5000 Jahren Kulturgeschichte niemand in diesem Land jemals darauf gekommen, das Rotzen, Rülpsen, Schmatzen und Furzen (oder wenigstens eines der vier) mal kniggemäßig zu ächten? Weshalb ist in einer Küche, die sicher eine der besten der Welt ist (für die Chinesen natürlich die beste der Welt), ausgerechnet Maggi ein überall vollkommen akzeptiertes und auch in feinsten Edel-Restaurants wie selbstverständlich auf dem Tisch stehendes Gewürz? Wie kommt es, dass sämtliche chinesischen Autofahrer der Meinung sind, der weiße Mittelstreifen, der die Fahrbahnen unterteilt, müsse sich beim Fahren stets exakt in der Fahrzeugmitte befinden?
Der Fragen sind viele, zu viele. Die eigentliche Frage ist ja aber doch: Was mache ich mit den ganzen Fragen und vor allem mit den ganzen unzureichenden, unverständlichen oder ja meist gleich komplett ausbleibenden Antworten? Weiterfragen? Nachbohren? Die Frage noch mal anders formulieren? Ich bin doch schließlich hierher gekommen, um eine fremde Kultur zu verstehen, oder nicht? Ich will das doch wissen, warum China so funktioniert und nicht anders! Ich möchte das bitteschön erklärt bekommen, sonst kann ich doch nichts lernen!
Nur manchmal, in lichten Momenten (die im aufgeklärten Europa vermutlich eher dunkle Momente genannt würden), dämmert es mir, dass vielleicht die Fragen nicht falsch gestellt sind - sondern dass es falsch ist, die Fragen überhaupt zu stellen.
Derjenige, der es tatsächlich schaffen würde, an einem kalten, regnerischen, windigen Tag am Strand entlang zu gehen, dort einen weißen Flügel stehen zu sehen – und sich nicht zu fragen: „Warum steht an einem solchen Tag ein weißer Flügel am Strand?“, sondern ihn lediglich eine Weile zu betrachten und dann weiterzugehen – nur der hätte vielleicht wirklich im fernöstlichen Sinne etwas verstanden.

PS: Warum an besagtem kalten, regnerischen, windigen Tag ein weißer Flügel am Strand von Qingdao stand, hat Herr O. übrigens sehr wohl verstanden. Die Erklärung ist im Grunde völlig logisch und einsichtig und banal. Ich verrate sie euch aber nicht. Da seht ihr mal, wie das ist.
Das finde ich übrigens auch. Besonders das mit dem Unklaren.
In China gibt es vieles, was man als kleiner doofer Europäer nicht versteht. Warum gehen die Chinesen so oft rückwärts, ob auf der Straße oder im Park oder sonstwo? Wieso ist in 5000 Jahren Kulturgeschichte niemand in diesem Land jemals darauf gekommen, das Rotzen, Rülpsen, Schmatzen und Furzen (oder wenigstens eines der vier) mal kniggemäßig zu ächten? Weshalb ist in einer Küche, die sicher eine der besten der Welt ist (für die Chinesen natürlich die beste der Welt), ausgerechnet Maggi ein überall vollkommen akzeptiertes und auch in feinsten Edel-Restaurants wie selbstverständlich auf dem Tisch stehendes Gewürz? Wie kommt es, dass sämtliche chinesischen Autofahrer der Meinung sind, der weiße Mittelstreifen, der die Fahrbahnen unterteilt, müsse sich beim Fahren stets exakt in der Fahrzeugmitte befinden?
Der Fragen sind viele, zu viele. Die eigentliche Frage ist ja aber doch: Was mache ich mit den ganzen Fragen und vor allem mit den ganzen unzureichenden, unverständlichen oder ja meist gleich komplett ausbleibenden Antworten? Weiterfragen? Nachbohren? Die Frage noch mal anders formulieren? Ich bin doch schließlich hierher gekommen, um eine fremde Kultur zu verstehen, oder nicht? Ich will das doch wissen, warum China so funktioniert und nicht anders! Ich möchte das bitteschön erklärt bekommen, sonst kann ich doch nichts lernen!
Nur manchmal, in lichten Momenten (die im aufgeklärten Europa vermutlich eher dunkle Momente genannt würden), dämmert es mir, dass vielleicht die Fragen nicht falsch gestellt sind - sondern dass es falsch ist, die Fragen überhaupt zu stellen.
Derjenige, der es tatsächlich schaffen würde, an einem kalten, regnerischen, windigen Tag am Strand entlang zu gehen, dort einen weißen Flügel stehen zu sehen – und sich nicht zu fragen: „Warum steht an einem solchen Tag ein weißer Flügel am Strand?“, sondern ihn lediglich eine Weile zu betrachten und dann weiterzugehen – nur der hätte vielleicht wirklich im fernöstlichen Sinne etwas verstanden.

PS: Warum an besagtem kalten, regnerischen, windigen Tag ein weißer Flügel am Strand von Qingdao stand, hat Herr O. übrigens sehr wohl verstanden. Die Erklärung ist im Grunde völlig logisch und einsichtig und banal. Ich verrate sie euch aber nicht. Da seht ihr mal, wie das ist.
Donnerstag, 16. April 2009
Große Hakennase, wegen der Betagtheit
"Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?" lautet der Titel eines, wie ich aus der Ferne lese, absoluten Top-Bestsellers in Deutschland. Wenn man in China lebt, erübrigt sich diese Frage und entsprechend auch der Kauf des Buches. Viel einfacher, sinnvoller und auch billiger ist es doch, den Studenten des ersten Studienjahres die schlichte Hausaufgabenaufgabe zu stellen: "Beschreiben Sie Ihren Deutschlehrer". Schließlich gehören nicht nur Bild-, sondern auch und vor allem Personenbeschreibungen zum handwerklichen Rüstzeug eines angehenden Top-Germanisten. Klar, im umgekehrten Fall wäre das Ganze natürlich viel simpler, denn die Chinesen sehen bekanntlich alle gleich aus. Beziehungsweise es wäre viel schwieriger, denn die Chinesen sehen bekanntlich alle gleich aus. Egal, wie auch immer: Sollte noch irgendjemand Zweifel an der multiplen Persönlichkeit Herr O.s gehabt haben, belehre ich ihn hiermit gern eines Besseren und freue mich, die bemerkenswerten Ergebnisse besagter Fallstudie der (nun ja) Weltöffentlichkeit zugänglich machen zu können:
Er trägt immer eine schwarze Brille und hat eine sehr modern Frisur, obwohl er kaum Haare.
Er hat braune Augen und auch eine Hakennase.
Er trägt eine schwarze Brille und seine Augen sind grün und rund. Er sieht schick und fit aus.
Seinere Augen sind blaun. Seiner Lippe ist sehr hübsch, besonders wenn er lachen.
Er hat dunkelbraune, dunkelblaue Augen und eine große Nase aber fast ohne Haare.
Herr Oldenburg hat zwei schöne grüne Augen. Seine Hakennase ist lang.
Er hat eine lange Nase als uns Chinesen, einen weiten Mund (besonders wenn er lächelt) und 2 kleine Ohren.
Er ist circa 1,80 cm groß, aber etwas dünn. Ich glaube, ein Mann soll etwas dick sein.
Er ist ein Kahlköpfmann. Das ist seiner Haupteigenart.
Er ist ein schön Mann.
Sein Kopf ist ein bisschen klein. Er trägt kaffeebraun Lederschuhe und die Schuhe sind so lang.
Seine Augen sind schön und sie sind grün. Er hat kein Bierbauch wie viele Männe. Ich glaube er ist ein sportlich Mann. Und ich glaube, er sieht wie Kimi Raikkonen aus.
Er ist nicht groß aber sieht ziemlich gut aus.
Unser Lehrer ist ein groß Mann. Er ist etwa 1,75 Meter groß. Seine Haut sieht sehr weiß aus. Nach dem Schönheitsgefühl der Chinesinnen ist er sehr schön. Er ist fast kahl, aber das ist nicht wegen der Betagtheit – Herr Oldenburg ist noch ein Dreißiger – sondern vielleicht wegen seiner "Vorliebe". Er hat blaue Augen und eine hoche Nase. Zweifellos ist er reinlich Mensch. Immer rasiert er, wenn er Unterricht gibt. Nie haben wir seinen Bart gesehen. Er ist ein bisschen dünn aber stark. Eine Brille trägt er immer über seine Nase. Seine Augenbrauen sind ein bisschen licht aber ganz hübsch.
Allen Studentinnen und Studenten, die die vorherigen Arbeitsanweisungen ("Vermeiden Sie subjektive Wertungen, erstellen Sie keine Charakterbeschreibungen, beschreiben Sie nur und ausschließlich das Äußere, aber möglichst exakt!") auf ihre herrlich herzerfrischend ignorante Art nicht befolgt haben, piekste ich übrigens im Anschluss eigenhändig mit meinem Rotstift die Augen aus (alle schwarz). Herr O. ist nämlich nicht nur ein reinlich Mensch, sondern auch ein streng Mensch.
Er trägt immer eine schwarze Brille und hat eine sehr modern Frisur, obwohl er kaum Haare.
Er hat braune Augen und auch eine Hakennase.
Er trägt eine schwarze Brille und seine Augen sind grün und rund. Er sieht schick und fit aus.
Seinere Augen sind blaun. Seiner Lippe ist sehr hübsch, besonders wenn er lachen.
Er hat dunkelbraune, dunkelblaue Augen und eine große Nase aber fast ohne Haare.
Herr Oldenburg hat zwei schöne grüne Augen. Seine Hakennase ist lang.
Er hat eine lange Nase als uns Chinesen, einen weiten Mund (besonders wenn er lächelt) und 2 kleine Ohren.
Er ist circa 1,80 cm groß, aber etwas dünn. Ich glaube, ein Mann soll etwas dick sein.
Er ist ein Kahlköpfmann. Das ist seiner Haupteigenart.
Er ist ein schön Mann.
Sein Kopf ist ein bisschen klein. Er trägt kaffeebraun Lederschuhe und die Schuhe sind so lang.
Seine Augen sind schön und sie sind grün. Er hat kein Bierbauch wie viele Männe. Ich glaube er ist ein sportlich Mann. Und ich glaube, er sieht wie Kimi Raikkonen aus.
Er ist nicht groß aber sieht ziemlich gut aus.
Unser Lehrer ist ein groß Mann. Er ist etwa 1,75 Meter groß. Seine Haut sieht sehr weiß aus. Nach dem Schönheitsgefühl der Chinesinnen ist er sehr schön. Er ist fast kahl, aber das ist nicht wegen der Betagtheit – Herr Oldenburg ist noch ein Dreißiger – sondern vielleicht wegen seiner "Vorliebe". Er hat blaue Augen und eine hoche Nase. Zweifellos ist er reinlich Mensch. Immer rasiert er, wenn er Unterricht gibt. Nie haben wir seinen Bart gesehen. Er ist ein bisschen dünn aber stark. Eine Brille trägt er immer über seine Nase. Seine Augenbrauen sind ein bisschen licht aber ganz hübsch.
Allen Studentinnen und Studenten, die die vorherigen Arbeitsanweisungen ("Vermeiden Sie subjektive Wertungen, erstellen Sie keine Charakterbeschreibungen, beschreiben Sie nur und ausschließlich das Äußere, aber möglichst exakt!") auf ihre herrlich herzerfrischend ignorante Art nicht befolgt haben, piekste ich übrigens im Anschluss eigenhändig mit meinem Rotstift die Augen aus (alle schwarz). Herr O. ist nämlich nicht nur ein reinlich Mensch, sondern auch ein streng Mensch.
Mittwoch, 25. März 2009
Saufen für den Umweltschutz
Ein normaler doofer Mittwoch, Herr O. macht Übungen zum "Texte verfassen" mit den Studenten des 2. Studienjahres. Er kontrolliert die Hausaufgabe, welche aus einer Bildbeschreibung bestand. Bildbeschreibung ist Pflicht, das muss man machen, das müssen die können. Um sich selbst den harten Uni-Alltag etwas angenehmer zu gestalten, wählte Herr O. in der vergangenen Woche als zu beschreibendes Motiv die folgende, dem deutschen Betrachter zur Genüge bekannte Werbung aus:

Beim Korrekturlesen dämmert Herr O. langsam weg, es ist halt immer das Gleiche, immer wieder "Im Hintergrund des Bildes kann man die schöne Landschaft finden" oder "Ein wenig nach links schräg befindet sich die Flasche" oder "Das Glas würde wohl gerade gefüllt, denn dicke und weiße Bierblasen werden überlaufen".
Und gerade, als Herr O. sich wünscht, seine eigene Blase möge bitte baldmöglichst auch vom Bier überlaufen, merkt er doch ein wenig auf:
"Der Hintergrund des Bildes sieht aus, als wäre es in Brasilien fotografiert."
Oha, beziehungsweise Olé (oder wie auch immer das in Brasilien heißt), da sollte also nach Meinung der chinesischen Studentin von der Werbeindustrie im Namen des deutschen Bieres Hochverrat an der deutschen Landschaft begangen worden sein? Doch die Erläuterung folgt auf dem Fuße:
"Dieses Werbungsbild wird benutzt, um das 'Krombacher' zu propagieren. Trotzdem weckt das Bild gleichzeitig die Menschen den Dschungel zu schützen. Soviel ich weiß, dass der Dschungel auf der Welt täglich nach und nach weniger wird. Besonders in Brasilien brennen viele Bauer jetzt die Bäume, um die freie Felder zu bekommen, auf denen sie Gemüse und Getreide anbauen. Obwohl die Bauer damit vielleicht mehr als früher ernten können, brechen sie gleichzeitig die Regel der Natur. Und eines Tages in der Zukunft können sie wahrscheinlich zuletzt nichts mehr bekommen. Von diesem Bild wird man wahrscheinlich wieder für den Naturschutz begeistert und dabei kann man unbedingt mehr als früher gegen die Naturverschmutzung tun. Während des Verbrauchs des Biers denkt man auch mehr an die Natur. Wenn es auf der Welt immer mehr solche Werbung gäbe, die Warenwerbung mit Naturschutz verbindet, würde die Natur immer schöner. Und unser Leben würde auch immer besser!"
Und nun gehen dem Herrn O. viele Dinge gleichzeitig durch seinen ein wenig nach links schräg sich befindenden Kopf, die er sich auf seinen imaginären Notizzettel der zu erledigenden Dinge schreibt:
- Der Studentin eine richtig gute Note für ihre wunderschöne und sprachlich sehr gute Analyse geben.
- Der Studentin eine vielleicht doch nicht ganz so gute Note geben, weil die Werbung nun wirklich null mit Umweltschutz zu tun hat.
- Die Studentin fragen, ob sie sich vielleicht heimlich über die großangelegte Werbekampagne "Regenwald-Projekt" der Firma Krombacher informiert hat (Stichwort: Günther Jauch).
- Falls die Antwort auf diese Frage "Nein" lautet: Die Firma Krombacher anschreiben, ihr eine völlig neue Werbekampagne mit Auszügen aus Hausaufgaben von chinesischen Studenten anbieten. Stinkreich damit werden.
- Die Studentin fragen, ob ihrer Meinung nach Umweltschutz ein rein brasilianisches Problem ist.
- Die Studentin fragen, ob sie ernsthaft glaubt, dass Bierwerbung die Umwelt retten kann.
- Die Studentin vielleicht lieber doch nicht über den Zusammenhang zwischen Bierwerbung und Umweltschutz befragen (Stichwort: Günther Jauch).
- Die Studentin fragen, was sie selbst denn für den Umweltschutz tut. Bei der Einladung zum Kurs-Essen Ende letzten Jahres war sie schließlich schon nach einer halben Flasche Bier blau.
- Der Studentin sagen, dass sie ihren naiven Kulturoptimismus bitte mal kritisch hinterfragen soll.
- Der Studentin sagen, dass sie sich ihren naiven Kulturoptimismus bitte bewahren soll.
- Dem chinesischen Bildungsministerium mitteilen, dass sein Konzept, komplett gleichgeschaltete, mit blindem Vertrauen in jede Art von "Propagieren" ausgestattete, auch absurdeste Kausalverbindungen (beim Biertrinken denken wir an den Naturschutz) als völlig legitim erachtende Gaga-Wesen heranzuzüchten, in beeindruckender Art und Weise aufzugehen scheint.
- Vor dem Zustellen dieser Mitteilung One-Way-Flug nach Europa buchen.
- Diese Mitteilung nach Ankunft in Europa im gleichen Wortlaut der deutschen Werbeindustrie zukommen lassen.
- Die andere Studentin nicht mit Lob zu bedenken vergessen, welche zum gleichen Bild schrieb: "Ich glaube, das ist ein schönes Anzeigenbild und hat bestimmt gute Wirkung. Ich erinnere mich daran, dass ich beim Bierfest letztes Jahres schon mal das Bier probiert habe. Aber den Geschmack habe ich vergessen. Schade!"

Beim Korrekturlesen dämmert Herr O. langsam weg, es ist halt immer das Gleiche, immer wieder "Im Hintergrund des Bildes kann man die schöne Landschaft finden" oder "Ein wenig nach links schräg befindet sich die Flasche" oder "Das Glas würde wohl gerade gefüllt, denn dicke und weiße Bierblasen werden überlaufen".
Und gerade, als Herr O. sich wünscht, seine eigene Blase möge bitte baldmöglichst auch vom Bier überlaufen, merkt er doch ein wenig auf:
"Der Hintergrund des Bildes sieht aus, als wäre es in Brasilien fotografiert."
Oha, beziehungsweise Olé (oder wie auch immer das in Brasilien heißt), da sollte also nach Meinung der chinesischen Studentin von der Werbeindustrie im Namen des deutschen Bieres Hochverrat an der deutschen Landschaft begangen worden sein? Doch die Erläuterung folgt auf dem Fuße:
"Dieses Werbungsbild wird benutzt, um das 'Krombacher' zu propagieren. Trotzdem weckt das Bild gleichzeitig die Menschen den Dschungel zu schützen. Soviel ich weiß, dass der Dschungel auf der Welt täglich nach und nach weniger wird. Besonders in Brasilien brennen viele Bauer jetzt die Bäume, um die freie Felder zu bekommen, auf denen sie Gemüse und Getreide anbauen. Obwohl die Bauer damit vielleicht mehr als früher ernten können, brechen sie gleichzeitig die Regel der Natur. Und eines Tages in der Zukunft können sie wahrscheinlich zuletzt nichts mehr bekommen. Von diesem Bild wird man wahrscheinlich wieder für den Naturschutz begeistert und dabei kann man unbedingt mehr als früher gegen die Naturverschmutzung tun. Während des Verbrauchs des Biers denkt man auch mehr an die Natur. Wenn es auf der Welt immer mehr solche Werbung gäbe, die Warenwerbung mit Naturschutz verbindet, würde die Natur immer schöner. Und unser Leben würde auch immer besser!"
Und nun gehen dem Herrn O. viele Dinge gleichzeitig durch seinen ein wenig nach links schräg sich befindenden Kopf, die er sich auf seinen imaginären Notizzettel der zu erledigenden Dinge schreibt:
- Der Studentin eine richtig gute Note für ihre wunderschöne und sprachlich sehr gute Analyse geben.
- Der Studentin eine vielleicht doch nicht ganz so gute Note geben, weil die Werbung nun wirklich null mit Umweltschutz zu tun hat.
- Die Studentin fragen, ob sie sich vielleicht heimlich über die großangelegte Werbekampagne "Regenwald-Projekt" der Firma Krombacher informiert hat (Stichwort: Günther Jauch).
- Falls die Antwort auf diese Frage "Nein" lautet: Die Firma Krombacher anschreiben, ihr eine völlig neue Werbekampagne mit Auszügen aus Hausaufgaben von chinesischen Studenten anbieten. Stinkreich damit werden.
- Die Studentin fragen, ob ihrer Meinung nach Umweltschutz ein rein brasilianisches Problem ist.
- Die Studentin fragen, ob sie ernsthaft glaubt, dass Bierwerbung die Umwelt retten kann.
- Die Studentin vielleicht lieber doch nicht über den Zusammenhang zwischen Bierwerbung und Umweltschutz befragen (Stichwort: Günther Jauch).
- Die Studentin fragen, was sie selbst denn für den Umweltschutz tut. Bei der Einladung zum Kurs-Essen Ende letzten Jahres war sie schließlich schon nach einer halben Flasche Bier blau.
- Der Studentin sagen, dass sie ihren naiven Kulturoptimismus bitte mal kritisch hinterfragen soll.
- Der Studentin sagen, dass sie sich ihren naiven Kulturoptimismus bitte bewahren soll.
- Dem chinesischen Bildungsministerium mitteilen, dass sein Konzept, komplett gleichgeschaltete, mit blindem Vertrauen in jede Art von "Propagieren" ausgestattete, auch absurdeste Kausalverbindungen (beim Biertrinken denken wir an den Naturschutz) als völlig legitim erachtende Gaga-Wesen heranzuzüchten, in beeindruckender Art und Weise aufzugehen scheint.
- Vor dem Zustellen dieser Mitteilung One-Way-Flug nach Europa buchen.
- Diese Mitteilung nach Ankunft in Europa im gleichen Wortlaut der deutschen Werbeindustrie zukommen lassen.
- Die andere Studentin nicht mit Lob zu bedenken vergessen, welche zum gleichen Bild schrieb: "Ich glaube, das ist ein schönes Anzeigenbild und hat bestimmt gute Wirkung. Ich erinnere mich daran, dass ich beim Bierfest letztes Jahres schon mal das Bier probiert habe. Aber den Geschmack habe ich vergessen. Schade!"
Dienstag, 24. März 2009
Schöner Wohnen
Dass die Vase der großen Zimmerpflanze, die Herr O. sich jüngst zum Einzug kaufte, unten drunter anscheinend ein ziemlich großes Loch hat, sieht man, wenn man draufklickt (und zwar nicht auf die Vase, sondern aufs Foto) am daneben (also nicht neben dem Foto, sondern neben der Vase) stehenden Wischmopp samt Eimer und am säuberlich unter der Vase verstauten Handtuch.

Dass Herr O. jetzt in China wohnt, sieht man nicht nur am ebenfalls jüngst zum Einzug gekauften Bonsai auf dem Fensterbrett, sondern auch und vor allem am aus einer original chinesischen Nationalflagge selbstgenähten Bettzeug.

Dass Herr O. jetzt anscheinend endgültig unter die Erwachsenen gegangen ist, sieht man an den Fotos. Zumindest an den ersten beiden.

Dass Herr O. sich stets bemüht, seine Versprechen (zum Beispiel bezüglich der Illustration der neuen Wohnung) einzuhalten, sieht man an der Tatsache, dass man die Fotos überhaupt sieht.
Und Beethoven sieht man sogar auch!
Und der war ja wohl erwachsen!

Dass Herr O. jetzt in China wohnt, sieht man nicht nur am ebenfalls jüngst zum Einzug gekauften Bonsai auf dem Fensterbrett, sondern auch und vor allem am aus einer original chinesischen Nationalflagge selbstgenähten Bettzeug.

Dass Herr O. jetzt anscheinend endgültig unter die Erwachsenen gegangen ist, sieht man an den Fotos. Zumindest an den ersten beiden.

Dass Herr O. sich stets bemüht, seine Versprechen (zum Beispiel bezüglich der Illustration der neuen Wohnung) einzuhalten, sieht man an der Tatsache, dass man die Fotos überhaupt sieht.
Und Beethoven sieht man sogar auch!
Und der war ja wohl erwachsen!
Montag, 23. März 2009
1 minute, 29 seconds
Bekanntlich essen die Chinesen alles, was schwimmt, außer Schiffe, und alles, was fliegt, außer Flugzeuge, und alles, was vier Beine hat, außer Tische. So oder so ähnlich lautet jedenfalls angeblich ein hiesiges Sprichwort. Aber wer weiß das schon, außer den Chinesen selber. Und die kümmern sich nicht sonderlich darum, einer Langnase ihre Sprichwörter zu erläutern. Stattdessen versuchen sie erfolgreich, die Grenzen ihrer kulinarischen annähernden Grenzenlosigkeit zu erweitern, zum Beispiel auf alles, was kriecht, außer Arsch. Wer allerdings hierbei auch noch einen Wettbewerb gewinnen will, der muss sich bei einer Konkurrenz von 1,3 Milliarden in punkto Geschwindigkeit und Zubereitungsweise halt etwas einfallen lassen.
Ich verdanke dieses kleine Video meinem vegetarischen Freund G., dem ich an dieser Stelle ganz herzlich dafür... buuuäääächch!!!
Ich verdanke dieses kleine Video meinem vegetarischen Freund G., dem ich an dieser Stelle ganz herzlich dafür... buuuäääächch!!!
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Mittwoch, 11. März 2009
Don't angry!
Meine geschätzten Wesen.
Heute erzähle ich euch etwas über Lerneffekte.
Ich kam des Nachmittags vom Unterricht und ging fürbaß. Und nichts zu suchen war mein Sinn. Beziehungsweise doch, ich wollte Geld abheben. Aber die Lage des ATM musste ich nicht investigieren, da ich wusste, wo er sich befund, nämlich auf dem Uni-Campus. Bereits gestern war ich zum gleichen Behufe den gleichen Weg gegangen, doch just vor der Pforte der Niederlassung des Zinswucherers war ich zweier uniformierter und beknüppelter Gestalten im Inneren des Gehäuses gewahr geworden, derer eine auf meine fragenden Gesten die eine Hand mit sämtlichen gespreizten Fingern hob und mit der anderen Hand lediglich den Zeigefinger sehen ließ, was wiederum ich wohlgemut so deutete, dass ich noch sechs Minuten zu warten hätte, bis ich glücklich in den Besitz des verfestigten Zustands eines Teils meines virtuellen Geldbestandes kommen sollte, während drinnen die größtenteils für die hiesigen Studenten vorgesehenen Geldbestände einer gründlichen Auffrischungskur unterzogen wurden. Nach einer halben Stunde vergeblichen Wartens gab ich dann aber mein Vorhaben auf - um heute einen neuen Versuch, ohne diese gespreizte Germanistenkacke, zu wagen.
Heute ging ich also wieder zum Geldautomaten, der diesmal ohne Wachmänner auskam. Ich schob meine Kreditkarte ein, wie ich es in den letzen Monaten schon oft getan hatte, und wollte meine Geheimzahl eingeben. Ich gab die Geheimzahl auch ein, jedenfalls drückte ich die Zahlentasten, aber nichts passierte. Oh, dachte ich. Dann drückte ich die Taste "Cancel". Der Effekt war der gleiche. Nämlich keiner. Dann drückte ich alle anderen Tasten, in allen mir möglichen Kombinationen. Nichts. Nur meine Karte, die war noch drinnen. Qingdao, wir haben ein Problem. (Houston ist hier sehr weit weg.) Sofort ging mein Blutdruck gefühlte 180 Grad nach oben. Fuck, fuck, fuckfuckfuck. Jetzt stehe ich hier in China, spreche kein Chinesisch, und meine Kreditkarte, meine neben dem Internet wichtigste Verbindung zur "normalen" Welt, hat der Chinese einfach geschluckt. Der Chinese, dieses Superarschloch. Dieser kleine, fettelige, keiner Fremdsprache mächtige, selbstgefällige, blöde Dauersack. Ich kann ihn förmlich sehen, wie er da in dem Automaten drin hockt, meine Kreditkarte in der Hand, oder vermutlich im von kariösen, wild in der Gegend herumstehenden Zähnen starrenden und nach Mittagessen von vorgestern stinkenden Mund, aus dem sich ein riesiger Rotzeballen bereits seinen Weg bahnt...
Ja, so was denkt der Herr O. bisweilen über seine Gastgeber.
Wie auch immer, jedenfalls musste, wenn schon keine Lösung, so doch eine Aktion her. Ich rief also, weil glücklicherweise in englischer Sprache über dem Automaten eine Notfallnummer angepriesen wurde, eben jene Nummer per glücklicherweise vorhandenem Handy an. Unglücklicherweise meldete sich eine chinesische Dame, deren Englischkenntnisse denjenigen von mindestens 99,9 Prozent der 1,3 Milliarden Chinesen exakt entsprachen, und sie legte dementsprechend ziemlich bald auf.
Entnervt bat ich eine am zweiten ATM neben mir stehende chinesische Studentin um Hilfe. Sie verstand zumindest mein Problem. Kein Wunder, denn allein der Ton, in dem ich ihr meine Bredouille klarzumachen versuchte, dürfte vermutlich in nur äußerst wenigen Kulturen auf diesem Planeten als Liebeserklärung missverstanden werden. Der erste Satz, den sie zu mir sagte, war: "Don't angry!"
Ich versuchte, dies zu beherzigen, wählte also die Nummer noch einmal, und die Studentin sprach auf Chinesisch mit der gleichen Dame am anderen Ende der Leitung. Dann legte sie auf und versuchte mir das Ergebnis des Telefonats in gebrochenem Englisch mitzuteilen. Während des Gesprächs merkte ich, dass am Bildschirm meines Geldautomaten eine Art Countdown lief, der sekundenweise von 500 rückwärts lief. Dann klingelte mein Handy, und "dran" war eine andere chinesische Bankangestellte, die in perfektem Englisch nach meinen Problemen fragte. Die Probleme waren aber nicht mehr vorhanden, denn der Geldautomat hatte unterdessen nach Ablauf der 500 Sekunden (bis zur Ewigkeit) ganz brav meine Karte ausgespuckt und sich dann mit der Bildschirmanzeige "out of service" ins Nirvana verabschiedet.
Ich reichte dann der Studentin mein Handy, damit sie mit der zweisprachigen Bank-Dame reden konnte, denn mittlerweile hatte ich gemerkt, dass nicht nur meine, sondern auch die Karte der Studentin am ATM nebenan geschluckt worden war, allerdings in ihrem Fall leider ohne jeglichen Countdown. Ohne Karte, aber auch ohne geschwollene Halsschlagadern stand sie also da und bemühte sich um Instruktionen für die Lösung des Problems, das nicht mehr meines war, denn ich hatte ja meine Karte wieder. Soweit ich verstand, sagte man ihr, sie müsse zur Bankzentrale in der Innenstadt fahren, während ihre Freundin am Automaten zu warten hatte, denn schließlich war ja ihre Karte da drin verschwunden. Kein Schreien, kein Fluchen, kein Irgendwas. Ich ließ die beiden dann in dem kleinen Raum zurück, weil ich nichts mehr tun konnte - nicht ohne mich zu bedanken und für mein vorheriges Ungehaltensein zu entschuldigen, was sie vermutlich nur ansatzweise verstand, da ich größtenteils Englisch sprechen musste.
Tja, warum erzähle ich das alles so ausführlich? Ich wollte ja etwas über Lerneffekte sagen. Und als Europäer, besonders als Deutscher, pocht man eben auf sein Recht. Beziehungsweise man pocht erst mal. Und zwar möglichst laut, denn so geht es doch nun wirklich nicht. Und man malt sich die schlimmsten Szenarien aus: Dass man nun stundenlang vor dem Bankautomaten ausharren muss, weil die Karte da drin ist und man sich nicht entfernen kann. Und dass (typisch!) wieder mal keiner der Verantwortlichen auch nur ein Wort Englisch spricht. Und dass in den nächsten Minuten und Stunden Dinge passieren werden, die schlimmer sind als alles, was bisher passiert ist. Das kann ja auch durchaus passieren. Und es passiert auch. Aber nicht immer, und nicht notwendigerweise.
Und dann fragt sich der Deutsche (ich) in China irgendwann: "Mann, warum bin ich so? Lerne ich denn nichts dazu? Nach so vielen Jahren? Keine Gelassenheit, nirgends? Schon gar keine asiatische?" Damit will ich nicht sagen, dass man alles akzeptieren muss. Oder dass man sich alles gefallen lassen muss. Aber manchmal geht mir meine "deutsche" Art echt auf die Nüsse.
Vielleicht muss ich es so formulieren:
Sind nicht vorhandene Lerneffekte denn am Ende nicht vielleicht auch welche?
Heute erzähle ich euch etwas über Lerneffekte.
Ich kam des Nachmittags vom Unterricht und ging fürbaß. Und nichts zu suchen war mein Sinn. Beziehungsweise doch, ich wollte Geld abheben. Aber die Lage des ATM musste ich nicht investigieren, da ich wusste, wo er sich befund, nämlich auf dem Uni-Campus. Bereits gestern war ich zum gleichen Behufe den gleichen Weg gegangen, doch just vor der Pforte der Niederlassung des Zinswucherers war ich zweier uniformierter und beknüppelter Gestalten im Inneren des Gehäuses gewahr geworden, derer eine auf meine fragenden Gesten die eine Hand mit sämtlichen gespreizten Fingern hob und mit der anderen Hand lediglich den Zeigefinger sehen ließ, was wiederum ich wohlgemut so deutete, dass ich noch sechs Minuten zu warten hätte, bis ich glücklich in den Besitz des verfestigten Zustands eines Teils meines virtuellen Geldbestandes kommen sollte, während drinnen die größtenteils für die hiesigen Studenten vorgesehenen Geldbestände einer gründlichen Auffrischungskur unterzogen wurden. Nach einer halben Stunde vergeblichen Wartens gab ich dann aber mein Vorhaben auf - um heute einen neuen Versuch, ohne diese gespreizte Germanistenkacke, zu wagen.
Heute ging ich also wieder zum Geldautomaten, der diesmal ohne Wachmänner auskam. Ich schob meine Kreditkarte ein, wie ich es in den letzen Monaten schon oft getan hatte, und wollte meine Geheimzahl eingeben. Ich gab die Geheimzahl auch ein, jedenfalls drückte ich die Zahlentasten, aber nichts passierte. Oh, dachte ich. Dann drückte ich die Taste "Cancel". Der Effekt war der gleiche. Nämlich keiner. Dann drückte ich alle anderen Tasten, in allen mir möglichen Kombinationen. Nichts. Nur meine Karte, die war noch drinnen. Qingdao, wir haben ein Problem. (Houston ist hier sehr weit weg.) Sofort ging mein Blutdruck gefühlte 180 Grad nach oben. Fuck, fuck, fuckfuckfuck. Jetzt stehe ich hier in China, spreche kein Chinesisch, und meine Kreditkarte, meine neben dem Internet wichtigste Verbindung zur "normalen" Welt, hat der Chinese einfach geschluckt. Der Chinese, dieses Superarschloch. Dieser kleine, fettelige, keiner Fremdsprache mächtige, selbstgefällige, blöde Dauersack. Ich kann ihn förmlich sehen, wie er da in dem Automaten drin hockt, meine Kreditkarte in der Hand, oder vermutlich im von kariösen, wild in der Gegend herumstehenden Zähnen starrenden und nach Mittagessen von vorgestern stinkenden Mund, aus dem sich ein riesiger Rotzeballen bereits seinen Weg bahnt...
Ja, so was denkt der Herr O. bisweilen über seine Gastgeber.
Wie auch immer, jedenfalls musste, wenn schon keine Lösung, so doch eine Aktion her. Ich rief also, weil glücklicherweise in englischer Sprache über dem Automaten eine Notfallnummer angepriesen wurde, eben jene Nummer per glücklicherweise vorhandenem Handy an. Unglücklicherweise meldete sich eine chinesische Dame, deren Englischkenntnisse denjenigen von mindestens 99,9 Prozent der 1,3 Milliarden Chinesen exakt entsprachen, und sie legte dementsprechend ziemlich bald auf.
Entnervt bat ich eine am zweiten ATM neben mir stehende chinesische Studentin um Hilfe. Sie verstand zumindest mein Problem. Kein Wunder, denn allein der Ton, in dem ich ihr meine Bredouille klarzumachen versuchte, dürfte vermutlich in nur äußerst wenigen Kulturen auf diesem Planeten als Liebeserklärung missverstanden werden. Der erste Satz, den sie zu mir sagte, war: "Don't angry!"
Ich versuchte, dies zu beherzigen, wählte also die Nummer noch einmal, und die Studentin sprach auf Chinesisch mit der gleichen Dame am anderen Ende der Leitung. Dann legte sie auf und versuchte mir das Ergebnis des Telefonats in gebrochenem Englisch mitzuteilen. Während des Gesprächs merkte ich, dass am Bildschirm meines Geldautomaten eine Art Countdown lief, der sekundenweise von 500 rückwärts lief. Dann klingelte mein Handy, und "dran" war eine andere chinesische Bankangestellte, die in perfektem Englisch nach meinen Problemen fragte. Die Probleme waren aber nicht mehr vorhanden, denn der Geldautomat hatte unterdessen nach Ablauf der 500 Sekunden (bis zur Ewigkeit) ganz brav meine Karte ausgespuckt und sich dann mit der Bildschirmanzeige "out of service" ins Nirvana verabschiedet.
Ich reichte dann der Studentin mein Handy, damit sie mit der zweisprachigen Bank-Dame reden konnte, denn mittlerweile hatte ich gemerkt, dass nicht nur meine, sondern auch die Karte der Studentin am ATM nebenan geschluckt worden war, allerdings in ihrem Fall leider ohne jeglichen Countdown. Ohne Karte, aber auch ohne geschwollene Halsschlagadern stand sie also da und bemühte sich um Instruktionen für die Lösung des Problems, das nicht mehr meines war, denn ich hatte ja meine Karte wieder. Soweit ich verstand, sagte man ihr, sie müsse zur Bankzentrale in der Innenstadt fahren, während ihre Freundin am Automaten zu warten hatte, denn schließlich war ja ihre Karte da drin verschwunden. Kein Schreien, kein Fluchen, kein Irgendwas. Ich ließ die beiden dann in dem kleinen Raum zurück, weil ich nichts mehr tun konnte - nicht ohne mich zu bedanken und für mein vorheriges Ungehaltensein zu entschuldigen, was sie vermutlich nur ansatzweise verstand, da ich größtenteils Englisch sprechen musste.
Tja, warum erzähle ich das alles so ausführlich? Ich wollte ja etwas über Lerneffekte sagen. Und als Europäer, besonders als Deutscher, pocht man eben auf sein Recht. Beziehungsweise man pocht erst mal. Und zwar möglichst laut, denn so geht es doch nun wirklich nicht. Und man malt sich die schlimmsten Szenarien aus: Dass man nun stundenlang vor dem Bankautomaten ausharren muss, weil die Karte da drin ist und man sich nicht entfernen kann. Und dass (typisch!) wieder mal keiner der Verantwortlichen auch nur ein Wort Englisch spricht. Und dass in den nächsten Minuten und Stunden Dinge passieren werden, die schlimmer sind als alles, was bisher passiert ist. Das kann ja auch durchaus passieren. Und es passiert auch. Aber nicht immer, und nicht notwendigerweise.
Und dann fragt sich der Deutsche (ich) in China irgendwann: "Mann, warum bin ich so? Lerne ich denn nichts dazu? Nach so vielen Jahren? Keine Gelassenheit, nirgends? Schon gar keine asiatische?" Damit will ich nicht sagen, dass man alles akzeptieren muss. Oder dass man sich alles gefallen lassen muss. Aber manchmal geht mir meine "deutsche" Art echt auf die Nüsse.
Vielleicht muss ich es so formulieren:
Sind nicht vorhandene Lerneffekte denn am Ende nicht vielleicht auch welche?
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Montag, 9. März 2009
Ausbruch aus der Anstalt
Zugegeben: Ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt...
Ach nein, das war ja wer anders.
Also noch mal. Zugegeben: Ich habe mich die letzten Wochen rar gemacht auf diesen Seiten. Das lag zum einen am Urlaub, und zum zweiten an einer sich leicht chaotisch gestaltet habenden Wohnungssuche, die nun ihr voräufiges Ende gefunden hat. Ich will euch gar nicht mit den nervenzerfetzenden Thriller-Details, nun ja, nerven. Das Resultat ist jedenfalls, dass ich seit dem Wochenende anscheinend Mieter einer Wohnung in Qingdao bin. Obwohl ich das ja eigentlich gar nicht darf, weil ich nämlich hier auf dem Campus zu wohnen habe, bitteschön. Wofür kaufen wir Chinesen denn sonst die ganzen schönen Überwachungskameras und bezahlen (zugegeben: wenig) Geld für Wachpersonal, das kontrolliert, ob Sie auch brav um 23.00 Uhr wieder im Wohnheim sind, Herr O.?
Darüber habe ich mich also nun in einer rechten Kamikaze-Aktion hinweggesetzt und kann nur hoffen, dass von Seiten meiner beiden Arbeitgeber nicht noch was Unerfreuliches nachkommt. Da ich aber die Campus-Wohnung auch weiterhin noch während der Woche teilweise nutzen werde, ist es vielleicht nicht so schlimm...
Wie auch immer: Die neue Wohnung ist groß und schön. Sie liegt leider etwas ab vom Schuss, keine Geschäfte oder gar Bars in der Nähe, sie liegt weiter von der Uni entfernt als ursprünglich geplant, sie ist einiges teurer als vorgesehen, und sie ist in einem sogenannten Compound, also auf einem eingezäunten Wohngelände, wo sich Fuchs und Expats gute Nacht sagen. Dafür aber keine 200 Meter vom Meer entfernt, so dass ich aus der Haustür rausjoggen kann und der salzige Geschmack am Mund dann nicht nur vom Schweiß kommt. Das Apartment ist möbliert, aber halt nur die Basics, was bedeutet, dass ich mir vom Bettzeug über Geschirr bis hin zur Nachttischlampe alles neu kaufen muss. Aber das kann ja auch Spaß machen.
Wann genau (und wie) ich mein ganzes Zeug da hin verfrachten werde, weiß ich selbst noch nicht, vielleicht am kommenden Wochenende. Übernachtet habe ich noch nicht da, aber bald, ganz bestimmt. Und sollte das irgendwie mit einer Internet-Leitung funktionieren, gibt's demnächst auch mal ein Foto, versprochen.
Für heute überlasse ich euch euren innenarchitektonischen Phantasien
und verbleibe auf immerdar
euer
Oskarchen
Ach nein, das war ja wer anders.
Also noch mal. Zugegeben: Ich habe mich die letzten Wochen rar gemacht auf diesen Seiten. Das lag zum einen am Urlaub, und zum zweiten an einer sich leicht chaotisch gestaltet habenden Wohnungssuche, die nun ihr voräufiges Ende gefunden hat. Ich will euch gar nicht mit den nervenzerfetzenden Thriller-Details, nun ja, nerven. Das Resultat ist jedenfalls, dass ich seit dem Wochenende anscheinend Mieter einer Wohnung in Qingdao bin. Obwohl ich das ja eigentlich gar nicht darf, weil ich nämlich hier auf dem Campus zu wohnen habe, bitteschön. Wofür kaufen wir Chinesen denn sonst die ganzen schönen Überwachungskameras und bezahlen (zugegeben: wenig) Geld für Wachpersonal, das kontrolliert, ob Sie auch brav um 23.00 Uhr wieder im Wohnheim sind, Herr O.?
Darüber habe ich mich also nun in einer rechten Kamikaze-Aktion hinweggesetzt und kann nur hoffen, dass von Seiten meiner beiden Arbeitgeber nicht noch was Unerfreuliches nachkommt. Da ich aber die Campus-Wohnung auch weiterhin noch während der Woche teilweise nutzen werde, ist es vielleicht nicht so schlimm...
Wie auch immer: Die neue Wohnung ist groß und schön. Sie liegt leider etwas ab vom Schuss, keine Geschäfte oder gar Bars in der Nähe, sie liegt weiter von der Uni entfernt als ursprünglich geplant, sie ist einiges teurer als vorgesehen, und sie ist in einem sogenannten Compound, also auf einem eingezäunten Wohngelände, wo sich Fuchs und Expats gute Nacht sagen. Dafür aber keine 200 Meter vom Meer entfernt, so dass ich aus der Haustür rausjoggen kann und der salzige Geschmack am Mund dann nicht nur vom Schweiß kommt. Das Apartment ist möbliert, aber halt nur die Basics, was bedeutet, dass ich mir vom Bettzeug über Geschirr bis hin zur Nachttischlampe alles neu kaufen muss. Aber das kann ja auch Spaß machen.
Wann genau (und wie) ich mein ganzes Zeug da hin verfrachten werde, weiß ich selbst noch nicht, vielleicht am kommenden Wochenende. Übernachtet habe ich noch nicht da, aber bald, ganz bestimmt. Und sollte das irgendwie mit einer Internet-Leitung funktionieren, gibt's demnächst auch mal ein Foto, versprochen.
Für heute überlasse ich euch euren innenarchitektonischen Phantasien
und verbleibe auf immerdar
euer
Oskarchen
Donnerstag, 26. Februar 2009
Platt
Ihr Lieben,
ich gebe zu: Für das vor einem Monat hier eingestellte Bilderrätsel wäre der richtige Hinweis natürlich gewesen: "Land, das so aussieht wie ein plattgefahrener Elefantenschädel". Aber Vergleiche, die Elefanten betreffen, liegen dann doch zu fern von der Lebenswelt des gemeinen Europäers, was man übrigens deutlich am verkrampft lockeren Gesichtsausdruck des nunmehr mit einem vermutlich nicht ganz waschechten Mahout-Führerschein ausgestattenen Blogschreibers ablesen kann.
Ich bin jedenfalls wieder im Ländle, das wollte ich hier nur kurz mitgeteilt haben.
Bald also wieder mehr über Chinesien.
Ahoi,
R.
ich gebe zu: Für das vor einem Monat hier eingestellte Bilderrätsel wäre der richtige Hinweis natürlich gewesen: "Land, das so aussieht wie ein plattgefahrener Elefantenschädel". Aber Vergleiche, die Elefanten betreffen, liegen dann doch zu fern von der Lebenswelt des gemeinen Europäers, was man übrigens deutlich am verkrampft lockeren Gesichtsausdruck des nunmehr mit einem vermutlich nicht ganz waschechten Mahout-Führerschein ausgestattenen Blogschreibers ablesen kann.
Ich bin jedenfalls wieder im Ländle, das wollte ich hier nur kurz mitgeteilt haben.
Bald also wieder mehr über Chinesien.
Ahoi,
R.
Dienstag, 20. Januar 2009
Das weg ist das Ziel
So, es ist mal wieder so weit: Herr O. muss brechen, und zwar auf.
Morgen geht es los. Der Aufbruch in den seiner eigenen Meinung nach in diesem Jahr besonders wohlverdienten Urlaub wird nach bekannter Tradition wieder kombiniert mit einem kleinen Bilderrätsel. Wer das Reiseziel errät, bekommt nach meinem Wiedereintritt in die Atmosphäre exklusiv die Lösung des Bilderrätsels zugeschickt... Oder vielleicht auch ein Foto von mir in dem Land drin. Aber nicht schummeln und bei Google einfach nach dem "Land, das so aussieht wie der plattgefahrene Stern von Bethlehem" suchen!
Euch allen alles Beste,
bis die Tage,
R.
Morgen geht es los. Der Aufbruch in den seiner eigenen Meinung nach in diesem Jahr besonders wohlverdienten Urlaub wird nach bekannter Tradition wieder kombiniert mit einem kleinen Bilderrätsel. Wer das Reiseziel errät, bekommt nach meinem Wiedereintritt in die Atmosphäre exklusiv die Lösung des Bilderrätsels zugeschickt... Oder vielleicht auch ein Foto von mir in dem Land drin. Aber nicht schummeln und bei Google einfach nach dem "Land, das so aussieht wie der plattgefahrene Stern von Bethlehem" suchen!
Euch allen alles Beste,
bis die Tage,
R.
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Freizeit
Mittwoch, 7. Januar 2009
Congratulations to you
"Lieber Herr O., wie schaut's denn nun aus?"
"Wie: Wie schaut's aus?"
"Na komm, du weißt schon..."
"Nö, weiß nicht."
"Na, nach den ersten Monaten halt. So zwischenmenschlich."
"Die Kollegen, meinst du? Ach, das geht schon."
"Mööönsch, jetzt lass dir doch nicht jedes Wort aus der Langnase ziehen! Frauentechnisch natürlich! Wie schaut's denn nun aus? Schon was aus dem Gelben Meer gefischt...?"
Dieser selbstverständlich völlig fiktive Dialog wiederholt sich mit schöner Regelmäßigkeit, und zwar gar nicht so sehr fiktiv, wenn ich mit dem heimatverbundeneren Teil meines Freundeskreises ins Gespräch trete. Meine Antwort ist dabei immer der gleiche, langweilige, ungläubige Enttäuschung hervorrufende Satz "Läuft nüscht."
Dass hier nüscht läuft, habe ich mir dabei natürlich selbst zuzuschreiben - hängen doch sogar am schwarzen Brett meines Wohnheims mehr als eindeutige Zuwendungshilferufe und Angebote. Aber (und es gibt ja immer ein "aber", oder besser gesagt ein "but") irgendwie hat mich bisher irgendetwas davon abgehalten, da mal anzurufen. Ein Fehler? Nun, urteilt selbst. Hier ein aktuelles Dokument der Zeitgeschichte zum Draufklicken.
"Wie: Wie schaut's aus?"
"Na komm, du weißt schon..."
"Nö, weiß nicht."
"Na, nach den ersten Monaten halt. So zwischenmenschlich."
"Die Kollegen, meinst du? Ach, das geht schon."
"Mööönsch, jetzt lass dir doch nicht jedes Wort aus der Langnase ziehen! Frauentechnisch natürlich! Wie schaut's denn nun aus? Schon was aus dem Gelben Meer gefischt...?"
Dieser selbstverständlich völlig fiktive Dialog wiederholt sich mit schöner Regelmäßigkeit, und zwar gar nicht so sehr fiktiv, wenn ich mit dem heimatverbundeneren Teil meines Freundeskreises ins Gespräch trete. Meine Antwort ist dabei immer der gleiche, langweilige, ungläubige Enttäuschung hervorrufende Satz "Läuft nüscht."
Dass hier nüscht läuft, habe ich mir dabei natürlich selbst zuzuschreiben - hängen doch sogar am schwarzen Brett meines Wohnheims mehr als eindeutige Zuwendungshilferufe und Angebote. Aber (und es gibt ja immer ein "aber", oder besser gesagt ein "but") irgendwie hat mich bisher irgendetwas davon abgehalten, da mal anzurufen. Ein Fehler? Nun, urteilt selbst. Hier ein aktuelles Dokument der Zeitgeschichte zum Draufklicken.
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